Aufbruch ins “Quartier Horb”

“Neue und bestehende Akteurinnen und Akteure aus dem kooperierenden Netzwerk möchten einen Treffpunkt für Personen am Rande unserer Gesellschaft aufbauen, in dem sich die sozialen Grenzen durch Begegnung und Austausch auflösen und niederschwellig Hilfsangebote leichter zugänglich gemacht werden können”. So lautet die kurze und knackige Beschreibung dessen, was sich die Vertreterinnen und Vertreter von Erlacher Höhe, Evangelischer Kirchengemeinde, BruderhausDiakonie und Diakonischer Bezirksstelle in Horb und Umgebung in Kooperation mit “Aufbruch Quartier” vorgenommen haben: Gemeinsam etwas entwickeln, das einen als Institutionen zusammenschweißt und gleichzeitig den Menschen im Quartier gut tut.

Unterwegs mit dem “Sozionauten”-Programm

“Sozionauten” heißt das Begleitprogramm, in dem Kreativität, Um-die-Ecke denken und Marktorientierung groß geschrieben werden. “Eine Lösung für ein soziales Problem finden” ist das Motto der Sozionauten. Und das möglichst so, dass gleich ein richtiges Geschäftsmodell daraus werden kann. Im Rahmen des Projekts Aufbruch Quartier sind die Horber Teil einer größeren Gruppe, die sich regelmässig im Freiburger “Grünhof” trifft. Mit Projektmitteln unterstützt, ermöglicht es den Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern, ausserhalb des Alltags und vielfach angeregt neue Wege zu denken und erste Schritte auszuprobieren.

Mobil an die Orte, wo die Menschen sind

Nach einem halben Jahr im Sozionauten-Programm sind die Horber jetzt so weit, dass sie mit einem Mobil immer in der Gemeinde dorthin fahren wollen, wo die Menschen sich treffen – wie zum Beispiel am Bahnhof. Dort angekommen, rollen sie ihre Angebote förmlich aus und laden zu Begegnung und Austausch ein. So wird nicht nur Teilhabe für Menschen möglich, die sich aufgrund ihrer sozialen Situation oft damit schwer tun. Es kommt auch zu Begegnungen von Menschen, die unterwegs sind, einfach nur zufällig vorbeikommen – oder sich einfach für das Angebot interessieren. Fast alles ist möglich, wenn das rollende Mobil Station macht: Einen Kaffee trinken und klönen, ein neues Brettspiel ausprobieren oder ein wenig “Public Viewing” mit anderen. Wer Rat braucht, findet hier erste Ansprechpartner, wer ein Gespräch sucht, Menschen, die zuhören. Und es kann natürlich auch ein Gottesdienst gefeiert oder Musik gemacht werden. Man könnte auch sagen: In Horb wagt man jetzt noch konsequenter als bisher den Schritt von der “Komm-Struktur” zur “Geh-Struktur”.

Bisher ist das alles nur eine – allerdings sehr gute und zeitgemäße – Quartiers-Idee. Beim letzten Treffen in Freiburg wurde aber bereits kräftig an einem Modell gearbeitet. “Prototyping” nennt sich das, wenn man zu Klebstoff, Schere und Tacker greift. Heraus kam ein dreidimensionales Modell, bei dem sich die Umsetzung bereits plastisch zeigen und erleben lässt. Im nächsten Schritt wird es darum gehen, dies in der Praxis – zunächst einmal auf kleiner Flamme – auszuprobieren, bevor es dann ernst wird.


Eine ungewöhnliche Pilgergruppe

Bereits im letzten Jahr hatten Diakonie und Kirche in Horb mit einem Pilgerweg begonnen, gemeinsam das Quartier, den Ort zu erobern. Eine ungewöhnliche Pilgergruppe war es, die sich am Eingang des sozialpsychiatrischen Zentrums in der Horber Innenstadt versammelt hatte. Bürgerinnen und Bürger, Kirchengemeinderätinnen, Sozialarbeiter und Dienststellenleiter. Sie alle hatten sich auf den Weg gemacht, um gemeinsam Orte zu erkunden, an denen Kirche und Diakonie im Quartier Horb präsent ist. Im Projekt „Aufbruch Quartier“ wollten sie sich besser kennen lernen und ihre Angebote bündeln. Ziel: Gemeinsam mehr und zielgerichteter als bisher gegen Armut und Wohnungslosigkeit im Quartier tun. Der Pilgerweg war damit der erste Schritt dieser übergreifenden, für alle sichtbaren und wirksamen Zusammenarbeit. 

Projektleiter Benjamin Volz berichtet: “Die neu gegründete Kooperationsgruppe „Aufbruch Quartier“, bestehend aus den Horber Einrichtungen der evangelischen Kirche, der Bruderhaus Diakonie und der Erlacher Höhe, sowie den diakonischen Bezirksstellen Sulz und Freudenstadt, hat sich in der “Kommode” Horb getroffen, um sich buchstäblich gemeinsam auf den Weg zu machen. Pünktlich zu Beginn der Aktion „Pilgerweg“ hat auch das Wetter mitgespielt und mit schönem Sonnenschein die Teilnehmerinnen und Teilnehmer verwöhnt.

Zusammen ist man mit ca. 20 Besucherinnen und Besuchern los gelaufen und hat neben dem Fachpflegeheim Spitalhof auch am evangelischen Kindergarten, an der Fachberatungsstelle der Erlacher Höhe sowie der Werkstatt für Behinderte der Bruderhaus Diakonie Halt gemacht um mehr über die diakonischen und kirchlichen Einrichtungen in Horb zu erfahren.

Neue Einblicke in die Partner-Institutionen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der einzelnen Institutionen gaben interessante Einblicke in die Arbeit und Aufgaben ihrer Einrichtungen an die Anderen Teilnehmer weiter. Neben guten Gesprächen und dem sich näher kennen lernen stand auch der christliche Glaube im Mittelpunkt. Benjamin Volz, Sozialarbeiter der Fachberatungsstelle/Erlacher Höhe in  Horb und offizieller „Kümmerer“ der neu gegründeten Kooperationsgruppe gab unter Anderem den Impuls, sich im Alltag doch immer wieder  zu besinnen, um Hinweise auf wichtige Lebensfragen im Austausch mit Gott erkennen zu können.  

Eines der vielen Highlights war der „Kugler Hang“, über den die Gruppe hinunter zur Bildechinger Steige gelaufen ist. Für viele Mitlaufende hat sich hier Horb von einer noch nicht gekannten „alpinen“ Seite gezeigt die faszinierte und gleichermaßen zur Besinnung einlud. Seinen Ausklang fand der Pilgerweg am Alten Freibad wo die Gruppe die Gelegenheit nutzte sich mit Essen und kühlen Getränken zu versorgen und gemeinsam ins Gespräch zu kommen.”

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