Kirchengemeinden

Das Kirchencafé Tübingen

Das Kirchencafé der Eberhardskirche hat von Montag bis Freitag jeweils von 9-12 Uhr geöffnet. In dieser Zeit kann im Foyer unseres Gemeindehauses an kleinen Cafétischen Kaffee getrunken und eine Kleinigkeit gegessen werden. Als Gäste kommen vor allem Menschen aus schwierigen finanziellen und sozialen Verhältnissen, die ganz in der Nähe Anlaufstationen haben. Aber auch Mitglieder eines Yoga-Kurses, die das Gemeindehaus nutzen und Gemeindeglieder kommen, um in freundlicher Atmosphäre einen Kaffee zu trinken und Zeitung zu lesen. Das Besondere am Kirchencafé ist – abgesehen von den günstigen Preisen und der inklusiven Zusammensetzung der Besucherinnen und Besucher – dass Menschen, die selbst in schwierigen Lebenslagen sind, die Bedienung im Café übernehmen – neben finanziell besser gestellten Ehrenamtlichen aus der Gemeinde.

Frau Schulz, engagiert sich bereits 9 Jahre. Sie wurde in der Gemeinde konfirmiert und unterstützt die Sekretärin: „Wir haben es uns hier gemütlich gemacht, Vorhänge angebracht und Teppiche gelegt. Manchmal kommen bis zu 40 Besucher, man kann das nicht vorhersagen, das ist wie verhext. Wir achten darauf, dass alles bei uns Bio und Fairtrade ist. Alkohol ist verboten. Das durchzusetzen habe ich mich am Anfang nicht getraut, jetzt darf man aber auch mal lauter und energischer werden.

Emma Hügel ist schon sechs 6 Jahre dabei: „Ich habe im Gottesdienst einen Zettel bekommen auf dem stand, dass sie Helfer brauchen. Mir selbst wurde von der Diakonie schon viel geholfen, als ich Schulden hatte. Da mir selbst viel geholfen wurde, möchte ich jetzt auch etwas zurückgeben. Ich habe nicht viel Geld, aber ich spende jetzt eben meine Zeit. Das ist auch seelisch wichtig für mich, dass man etwas Gutes tun kann, wenn die Menschen Danke sagen, es von ganzem Herzen kommt. Alkohol und Drogen sind nur ein Teil der Probleme, die die Leute mitbringen. Es kommen zum Beispiel auch Rentner, die einsam sind. Da wartet man ein bisschen ab, bis die sich wohl fühlen, und dann erst spricht man sie an. Es ist auch so, dass manche eben allein sein wollen. Man kann auch nicht alles steuern, allen ständig zuhören. Die Gäste beraten sich auch untereinander.“


Aufgetischt: Gemeinde lädt zum Mittagessen

Gemeindehaus in Korb lädt Menschen aus dem Quartier ein

Volles Haus im Gemeindezentrum der evangelischen Kirchengemeinde Korb: wieder sind mehr als 50 Frauen und Männer jeden Alters gekommen, um gemeinsam zu Mittag zu essen, sich auszutauschen und Gemeinschaft zu leben. Unterstützt wird die Aktion „Aufgetischt“ vom Fonds „Inklusion leben“ noch bis Ende 2020. „Wir sind so froh, dass es das gibt“, betont eine Seniorin. „Das ist wesentlich schöner, als zuhause alleine zu Mittag zu essen“.

Am 17. Oktober traf man sich bereits zum sechsten Mal bei „Aufgetischt“. Nach einer zunächst überschaubaren Anzahl von Essensgästen zu Beginn, hatte sich das inklusive Angebot der Kirchengemeinde bei den überwiegend älteren Menschen rasch herumgesprochen. „Wir wissen bald nicht mehr, wie wir alle unterbringen im Gemeindesaal“, freut sich Diakonin Martina Konieczny. „Wir erreichen damit natürlich zunächst die Älteren, aber auch viele, die sonst nicht in die Kirche kommen würden“. Die Diakonin hat die Beobachtung gemacht, dass sich „inmitten unserer Betriebsamkeit viele alleine fühlen“ und es ein großes Bedürfnis gibt, zu reden. Oft hat sie den Satz gehört „mal nicht immer allein essen wäre schön“ und darauf hin das monatliche Angebot aufgebaut.

An einem der Tische sitzen drei ältere Damen und unterhalten sich angeregt. Im Gespräch wird schnell klar, dass es sich um eine besondere Gemeinschaft handelt: eine der Besucherinnen sieht nur noch sehr schlecht, die zweite ist vollkommen erblindet und die dritte diejenige, die die beiden von Zuhause abholt und ihnen das Essen an den Tisch bringt. „Es gibt ein echtes und ein vegetarisches Essen“, sagt die Seniorin schmunzelnd, während sie den Nachtisch auf den Tisch stellt. „Ich bin alleinstehend und freue mich, mal mit jemanden gemeinsam zu Mittag zu essen“. Und die beiden Nachbarinnen seien natürlich froh, dass sie sie abhole von zuhause und beim Essen mit dabei sei.

Auch die vor einigen Jahren erblindete Seniorin findet es hier „wesentlich schöner, als alleine zu essen“. Günstig sei es auch und es sei toll, dass man sich mal nicht selbst überlegen müsse, was man kocht. „Ich brauche ja immer jemand, der mich bedient und der mir das Fleisch schneidet“, gibt sie zu bedenken. „Das sind halt echt gute Freundinnen, die mich da immer mitnehmen“. Ein paar Männer sind zwar auch da, aber die Mehrheit stellen ältere Damen. „Frauen sind eben geselliger und können auch besser über ihre Probleme sprechen“, erklärt die blinde Dame.

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